Vor wenigen Tagen sah ich mal wieder einen etwas reißerischen Beitrag von ‘polylux’, in der Themenausgabe ‘monolux spiritualität’. Reißerisch schon deshalb, weil der Titel “Ekstatischer Fundamentalismus” lautet.
Außerdem hörte ich im Radio noch einen Bericht zum Film Jesus Camp, über den auch schon mehrfach berichtet wurde:
Ich persönlich fühle mich da immer etwas gespalten, da ich zum einen schon finde, dass die Berichte und auch der Film eindeutig in einer bestimmten Art gefilmt, geschnitten und kommentiert werden. Dabei ist schon von vornherein klar, in welche Richtung das gehen soll. Ich habe selbst mal an einem Schüleraustausch in den christlichen Bible Belt teilgenommen und bezeichne mich seitdem als Christ. Seither habe ich an einigen Veranstaltungen teilgenommen, bei denen sicher auch Stoff für den einen oder anderen Film möglich gewesen wäre.
Zum anderen kann ich mich auch als Christ nicht mit den im Film gezeigten Personen identifizieren, wäre ich als Person jedoch bei so einer Veranstaltung zu sehen gewesen, hätte ich jetzt aber zack mein Etikett als christlicher Fundi weg.
Was mich eben am meisten stört, ist, das jede Seite versucht einen in eine Schublade zu stecken und man einem als Christ nicht zugesteht selbstständig denken zu können. Während des Schüleraustausches, der zu Zeiten des zweiten Golfkrieges stattfand hatte ich vorher noch in Deutschland gegen den Krieg demonstriert. In den USA durfte man so etwas aber nicht erwähnen, geschweige denn den Sinn der Stationierung der Truppen in Kuwait und Umgebung hinterfragen. Allerdings war das bei so gut wie allen Amerikanern mit denen ich Kontakt hatte so, nur das die Christen eben auch gleich noch die fromme Keule schwangen.
So ist man eben doch für die einen der radikale Fundamentalist und für die anderen der abtrünnige Ungläubige
Der Präsident der evangelischen Allianz in den USA, Ted Haggard, meinte jedenfalls: “Die Filmemacher hätten nicht beachtet, dass manche Begriffe der evangelikal-charismatischen Bewegung nicht wörtlich, sondern im übertragenen Sinne gemeint seien, etwa wenn man von einem Gebetskampf spreche.” Ja nun, wenn man nicht missverstanden werden will, dann muss man bei solchen Dingen auch keine extrem militaristische Rhetorik verwenden. Aber vielleicht sollte Ted Haggard sowieso im Moment gerade nicht so viel sagen